Kindgemachte Futterstation für Wildvögel im Winter
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Muttersein im Winter: Glitzer im Flur und kalte kleine Füße

Was ich manchmal am Muttersein im Winter vermisse

Es gibt Wintertage, an denen ich kurz innehalte und merke, wie weit die Kleinkindzeit inzwischen hinter mir liegt.
Sie ist nicht mehr Teil unseres täglichen Lebens – und doch tauchen ihre Bilder immer wieder auf. Oft in diesen dunklen Dezemberwochen, wenn der Duft von Gewürzen durch die Küche zieht, Schneeflocken die Luft draußen verzaubern oder die Welt draußen zudeckt. Oder wenn irgendwo im Haus ein kleiner Rest Glitzer auftaucht, den niemand dorthin gestreut hat.

Spielen auf gefrorener See im Winter

Es sind Momente, in denen ich mich an etwas erinnere, das früher ganz selbstverständlich war: die Art, wie Kinder den Winter sehen.
Ungebremst. Unkompliziert. Mit einer Begeisterung, die nicht geplant werden musste.

Wintermagie, die nicht perfekt sein musste

Ich erinnere mich an kleine Füße, eiskalt vom Spielen im Garten, so winzig, dass sie in meinen Händen verschwinden konnten.
An rote Backen, die vom Wind wie angemalt wirkten. Und Haare, die nach Schnee und warmer Freudenschweiß rochen.
An Augen, die sofort leuchteten, sobald irgendwo ein Funken Weihnachtszauber auftauchte – egal wie schief, unkoordiniert oder improvisiert er war.

Schneeleuchte aus Schneebällen - einfacher Kinderspaß im Winter

Ein bisschen Glitzer im Flur war damals ein völlig ausreichender Beweis dafür, dass etwas Magisches passiert war.
Da stellte niemand die Frage, ob das „schön“ oder „ästhetisch“ war. Es war einfach – und genau das machte es zu einem besonderen Moment.

Manchmal wurde mit voller Hingabe eine Orange mit Nelken gespickt. Nicht symmetrisch, nicht sauber, nicht instagramtauglich. Sondern mit ganzem Ernst, mit kleinen Fingern, die klebrig wurden und sich den Rest des Tages nach Gewürzen anfühlten.
Diese Orangen lagen dann irgendwo im Haus, dufteten wie Weihnachten selbst – und niemand fragte, ob sie „passen“ oder „perfekt“ seien.

Diese Zeit hatte eine eigene, rohere, ehrlichere Magie.

Die feministische Wahrheit dahinter: Winter mit Kleinkindern war schön – und anstrengend

Ich verkläre diese Jahre nicht, ich weiß genau, wie erschöpft ich damals war. Wie ich manchmal innerlich aufgeseufzt habe, wenn ein begeistertes „Es schneit!“ durchs Haus schallte, weil ich wusste, dass die durchnässten Schneeanzüge, die ich mehrmals am Abend zuvor gedreht und gewendet habe, um sie an der Heizung zu trocknen, gleich wieder pitschnass sein würden. Dass so viel Arbeit gefühlt umsonst und gleich wiederholt werden musste.

Wie mein Mann ehrlich unwissend zu mir gegrinst hat, „Aber die freuen sich doch so“ und mir unwissentlich schlechtes Gewissen gegeben hat, dass ich so egoistisch sein konnte, an mich zu denken wo die Kinder sich doch so freuten. Wie er sich noch seiner Jacke anzog um mit den Kindern draußen im Schnee Spaß zu haben, unvergessliche Erinnerungen schaffen würde während ich drin mit meinem Kaffeebecher und einem bleischweren Knoten in der Brust sitzen blieb.

So viel Care-Arbeit blieb damals unsichtbar. Muttersein im Winter, der häufig lang und dunkel, nass und kalt war und wo ich so viele Abende mit Wäsche, kranken Kindern und mentaler Last jongliert habe.

Es war nicht entweder schön oder anstrengend.
Es war beides gleichzeitig.

Vogel spielt im Schnee

Mehrere Wahrheiten dürfen gleichzeitig wahr sein.

  • Dass wir anerkennen dürfen, dass der Winter mit kleinen Kindern kein romantisches Familienmärchen ist – sondern ein Zusammenspiel aus echter Überlastung und echten Momenten von Nähe und Wärme.
  • Dass die Magie unserer Kindheit doch aus erwachsenen Augen betrachtet eher meist die Mutter war, die im Verborgenen so viel geleistet hat ohne es gewürdigt zu bekommen oder dafür an anderer Stelle Entlastung zu erfahren.
  • Dass diese Magie in der eigenen Familie sowohl erschöpft aber auch erfüllt.
  • Dass solange keine echte Gleichberechtigung gelebt wird immer der inneren Stimme da ist, der in Frage stellt, ob ich als Frau diese Arbeiten noch verrichten darf oder ob das mich zur Verräterin macht.

Damals wollte ich oft einfach nur schlafen, einfach nur eine Pause, einfach nur ein kleines bisschen weniger müssen.
Heute denke ich manchmal an die kleinen Hände, die sich in meine gekrallt haben, und an den Zauber, den sie ganz selbstverständlich mitgebracht haben, ohne dass ich irgendetwas dafür leisten musste.

Die Wahrheit lässt sich in beide Richtungen aushalten:
Es war zu viel – und es war schön.

Was bleibt, wenn die Kinder groß werden

Kinder wachsen leise aus der Art von Magie heraus, die nichts kostet.
Glitzer im Flur verliert an Bedeutung, Nelkenorangen auch.
Die Begeisterung verschiebt sich – und das ist normal.

Verschneiter Hof im Winter

Aber in mir bleibt etwas von diesen frühen Wintern.
Eine Art Muskelgedächtnis für die kleinen Momente:

  • kalte Füße, die in meinen Händen warm wurden
  • die Schwere eines müden Kindes, das nach draußen noch glühte
  • der unfertige, scheppernde Weihnachtsschmuck, der überall auftauchte
  • das unkoordinierte, aber ehrliche Basteln
  • diese Sekunden, in denen ein kleines Herz voller Vorfreude schlug, ohne dass ich irgendetwas inszenieren musste

Diese Erinnerungen sind kein Aufruf, alles wieder so zu machen wie damals.
Sie erinnern mich vielmehr daran, dass Freude nicht aus Inszenierung entsteht – sondern aus der Art, wie wir kleine Momente wahrnehmen.

Die Mutter, die ich sein wollte – und die meine Kinder tatsächlich gebraucht haben

Als meine Kinder klein waren, hatte ich ein ziemlich strenges Bild davon, wie ich als Mutter sein müsste.
Organisiert, vorausschauend, ruhig.
Eine Mutter, die immer weiß, was sie tut, die geduldig bleibt, die alles im Griff hat und möglichst nie aus der Spur gerät.

Ich dachte lange, dass „gute Mutterschaft“ bedeutet, möglichst viel richtig zu machen:
immer vorbereitet, immer bewusst, immer stabil.

Heute sehe ich das anders.

Der Druck, alles im Griff haben zu müssen, kam nicht von ihnen.
Er kam von mir, von familiären Mustern, von gesellschaftlichen Erwartungen, von Vorstellungen, die ich übernommen hatte, ohne sie zu hinterfragen.

Kinder verzeihen uns Erwachsenen so viel. Sie geben so unglaublich offen und herzlich und freuen sich an Nähe und Spaß. Wenn wir uns an den Kindern anstecken lassen, einladen lassen aus unserem Kopf herauszukommen.

Wenn ich heute an diese Winter zurückdenke, dann nicht, um sie zu idealisieren, sondern weil sie mir etwas Wichtiges zeigen:

  • Magie entsteht nicht aus Aufwand, sondern aus Aufmerksamkeit.
  • Wärme entsteht nicht aus Perfektion, sondern aus Nähe.
  • Freude entsteht oft dort, wo niemand etwas „leistet“.

Und das gilt auch jetzt noch. Auch ohne Kleinkinder, Bastelchaos und Glitzer im Flur.

Vielleicht braucht es nur ein paar Sekunden, um einen Augenblick wirklich zu sehen – und nicht erst, wenn man Jahre später darauf zurückschaut.

Kindgemachte Futterstation für Wildvögel im Winter

Eine große Freude für alle Alterstufen macht es, Vögel im Wintergarten zu füttern. Was du dabei beachten kannst, kannst du bei BUND nachlesen

Für alle, die im Winter müde sind

Dieser Text ist kein Aufruf zur Nostalgie.
Es ist eine Einladung dazu, die kleinen Echt-Momente des Winters wahrzunehmen, so wie sie heute sind – und nicht, wie sie früher waren oder wie sie „sein sollten“.

Und es ist eine Einladung dazu, um dich herum zu schauen, ob du Junge Familien in deinem Freundeskreis entlasten kannst. Biete an, bei ihnen zu putzen, zu waschen oder eine warme Mahlzeit vorbeizubringen. Werde die tragende Hilfe, die ihnen hilft, die Kleinkinderjahre nicht nur zu überleben, sondern zu genießen.
Auch wenn sie damals schien, nie enden zu wollen: Die Tage sind lang aber die Jahre sind kurz.

Egal in welcher Familienphase wir sind oder für welche Art Leben wir uns entscheiden oder leben:
Der Winter ist manchmal lang und anstrengend aber wenn wir Momente der Freude und Frieden finden, haben alle Jahreszeiten ihrem Zauber.

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